Steinbrüche

Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen

Kinderarbeit in indischen Steinbrüche zählt aufgrund der extremen Bedinungen zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Laut Benjamin Pütter arbeiten in Indien mindestens 150.000 Kinder in lokalen Steinbrüchen.  Kinder, die  im Steinbruch geboren und aufgewachsen sind, werden oftmals nicht älter als 30. Diejenigen, die erst im Alter von 14 bis 16 Jahren in den Steinbruch kommen, haben eine Lebenserwartung von ca. 40 bis 45 Jahren. Die geringe Lebenserwartung hat mehrere Gründe und hängt vor Allem mit dem Tragen bzw. Nicht-Tragen von Schutzkleidung, wie passendes Schuhwerk, Schutzmasken für den Mund- und Nasenbereich, Helme, Ohrenschützer und Schutzbrillen zusammen. Häufig wird die Schutzkleidung von den Arbeitenden abgelehnt, da es zum einen für sie ungewohnt ist, zum anderen zeigt sich diese aber auch als Störfaktor während der Arbeit, da sie unter anderem auch Hitze staut. Nicht selten wird allerdings Schutzkleidung nicht einmal vom Arbeitgeber gestellt. Der Schutz vor dem Mund- und Nasenbereich ist deshalb so wichtig, weil durch das Zerkleinern, Zerhacken und Zermahlen der Steine Steinstaub entsteht, welcher sich in der Lunge festsetzt und Silikose hervorruft. Das ist in der Regel der Grund, warum die Lebenserwartung so gering ist.

Durch das Kleinschlagen der Steine mit Hammern, eine Arbeit die häufig schon von kleinen Kindern übernommen wird, entsteht ein extremes Verletzungsrisiko während der Arbeit. Kleine Steinsplitter verletzen das Gesicht und können im schlimmsten Fall direkt das Auge treffen. Daher sind Schutzbrillen theoretisch unerlässlich. Um die Steine vom Festblock zu brechen, müssen zunächst mit bis zu 45 kg schweren Schlagbohrmaschinen, Löcher in den Stein gebohrt werden – ohne Schutzkleidung. Dadurch werden zum Beispiel die Schleimbeutel der Gelenke zerstört. In die gebohrten Löcher wird dann von den Kindern Sprengstoff gefüllt und mit einer Eisenstange verdichtet. Dabei können Funken entstehen, die oftmals Hände oder andere Körperteile zerfetzen, es kann aber auch im schlimmsten Fall eine unkontrollierte Sprengung ausgelöst werden. Ein Helm ist besonders dann unerlässlich, wenn die Kinder in Bereichen im Steinbruch arbeiten, die tiefer gelegen sind,  dann kann es nämlich zu Steinschlägen kommen. Das Tragen von Schuhen schützt die Kinder vor Schnittwunden an den Füßen, da im Steinbruch viele kleine Splitter rumliegen. Durch den Lärm in den Steinbrüchen werden einige Kinder taub, berichtet Benjamin Pütter (vgl. Pütter, 2017, S. 68ff). All diese Punkte bestätigen, warum die Arbeit in Steinbrüchen unter den Punkt „Gefährliche Arbeit“ fällt. Zu den schlimmsten Formen von Kinderarbeit zählt die Arbeit in Steinbrüchen in der Regel, weil sich die Familien bei den reichen Steinbruchbesitzern Geld leihen und somit in Schuldknechtschaft leben, was sklaverei-ähnliche Praktiken durch die Steinbruchbesitzer gegenüber den Schuldknechten hervorrufen kann. Häufig müssen die Kinder sogar alleine dort arbeiten und haben kaum eine Möglichkeit ihre Familien zu besuchen. Die Schuldknechte sind häufig die Kastenlosen, die dann über Generationen hinweg im Steinbruch arbeiten und versuchen, die Schulden abzuarbeiten (vgl. Pütter 2017: S. 77).

Nun stellt sich die Frage, wie sich überhaupt diagnostizieren lässt, woher die Steine jeweils stammen und ob sie mit Kinderarbeit produziert wurden. Pütters Antwort darauf ist eindeutig: „Es gibt nur wenige Produkte, die sich für den Export so leicht kontrollieren lassen wie Natursteine“ (Pütter 2017: S. 67). Die Natursteine sind vergleichbar mit dem menschlichen Fingerabdruck, der ebenfalls einzigartig ist (vgl. ebd.).

Es ist schwer herauszufinden, wie viele Steinbrüche es tatsächlich gibt und wie viele Menschen und davon Kinder in diesen arbeiten, da viele illegal Betrieben werden. Das heißt, dass die Minenbesitzer keine Lizenz zum Abbau der Steine bekommen oder diese abgelaufen ist oder nicht erneuert wurde und dadurch diese Steinbrüche nirgends offiziell gemeldet sind (Südwind 2006).