Formen

Formen

Die International Labour Organization (ILO) hat in der Empfehlung 190, Absatz 12, im Jahr 1999 die schlimmsten Formen der Kinderarbeit definiert und Maßnahmen zur Bekämpfung aufgestellt.
Die schlimmsten Formen der Kinderarbeit werden laut der ILO wie folgt definiert:

a) „alle Formen der Sklaverei oder alle Sklaverei-ähnlichen Praktiken, wie der Verkauf von Kindern und der Kinderhandel, Schuldknechtschaft und Leibeigenschaft, sowie Zwangs- oder Pflichtarbeit, einschließlich der Zwangs- oder Pflichtrekrutierung von Kindern für den Einsatz in bewaffneten Konflikten;

b) das Heranziehen, Vermitteln oder Anbieten eines Kindes zur Prostitution, zur Herstellung von Pornographie oder zu pornographischen Darbietungen;

c) das Heranziehen, Vermitteln oder Anbieten eines Kindes zu unerlaubten Tätigkeiten, insbesondere zur Gewinnung von und zum Handel mit Drogen, wie diese in den einschlägigen internationalen Übereinkünften definiert sind, oder zu Tätigkeiten, die mit dem unrechtmäßigen Tragen oder der unrechtmäßigen Verwendung von Schusswaffen oder sonstigen Waffen verbunden sind“.

Besonders Punkt a) soll diesbezüglich näher erläutert werden. Hierbei spielt besonders die Schuldknechtschaft eine große Rolle, da Kinder häufig aus diesem Grund arbeiten müssen. Laut Benjamin Pütter tritt dies überwiegend bei Familien auf, die in Steinbrüchen arbeiten oder zum Beispiel in der Ziegelsteinproduktion oder der Zigarettenherstellung (Pütter 2017: S. 107). Die Ziegelsteinproduktion und die Arbeit im Steinbruch ist nur eine Saisonarbeit, da während der Regenzeit keine Steine abgebaut werden können oder die Ziegelsteine nicht trocknen können und die Arbeiterfamilien häufig aus anderen Bundesstaaten kommen, wodurch es für die Kinder kein Schulangebot gibt (Südwind 2006). Schuldknechtschaft kann gut an einem Beispiel erklärt werden: Darunter fallen Familien, die sich beispielsweise für einen Arztbesuch oder eine Hochzeit, Geld bei einem Gläubiger, oftmals bei dem späteren Arbeitgeber, leihen, um dieses dann durch die eigene Arbeitskraft zurückzuzahlen. Die Zinsen sind in der Regel so hoch, dass eine Tilgung meist nur sehr schwer möglich ist. Zudem liegt der Lohn unter dem Mindestlohn, wodurch die ganze Familie arbeiten muss (Pütter 2017: S. 107). Aufgrund der hohen Analphabetenrate der über 15-Jährigen von ca. 37% (Drèze, J. & A. Sen 2014: S. 135) können viele Familien den Vertrag nicht kontrollieren und unterschreiben lediglich mit ihrem Daumenabdruck (Pütter 2017: S. 77). Dies ist in der Regel der Beginn eines Teufelskreis, aus dem die Familien von alleine nicht mehr herauskommen.

Besonders die Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen ist durch seine extremen Bedingungen besonders gefährlich. Folgende Punkte sieht die ILO in der Empfehlung 190, Absatz 3 als bedrohliche und vor allem gesundheitsgefährdende Arbeit an:

a) „Arbeit, die Kinder einem körperlichen, psychologischen oder sexuellen Missbrauch aussetzt;

b) Arbeit unter Tage, unter Wasser, in gefährlichen Höhen oder in engen Räumen;

c) Arbeit mit gefährlichen Maschinen, Ausrüstungen und Werkzeugen oder Arbeit, die mit der manuellen Handhabung oder dem manuellen Transport von schweren Lasten verbunden ist;

d) Arbeit in einer ungesunden Umgebung, die Kinder beispielsweise gefährlichen Stoffen, Agenzien oder Verfahren oder gesundheitsschädlichen Temperaturen, Lärmpegeln oder Vibrationen aussetzen kann;

e) Arbeit unter besonders schwierigen Bedingungen, beispielsweise Arbeit während langer Zeit oder während der Nacht oder Arbeit, bei der das Kind ungerechtfertigter Weise gezwungen ist, in den Betriebsräumen des Arbeitgebers zu bleiben.“